Wo die wilden Kerle wohnen

„Kann man sehen“ kulturmovies

Den 40-seitigen Kinderbuchklassiker zum Spielfilm auszudehnen, war riskant. Was, wenn die Leerstellen auf eine Art gefüllt werden, die die Liebhaber der Vorlage nicht nachvollziehen? Spike Jonze („Being John Malkovich“), Experte für schräges Psychokino, hat es dennoch versucht. Unter seiner Regie mutiert der kleine Max, der sich aus seinem Zimmer auf eine Insel voller wilder Kreaturen tagträumt und deren König wird, zum aggressiven Wut- und Tobgör, dem man eher einen Kindertherapeuten wünscht. Psychologisch durchleuchten tut der Film auch die Monster, die weniger wild als einsam und ängstlich sind und einem Stadtneurotiker Woody Allenscher Prägung ähneln – nur ohne den Humor. Eine klare, mit einer Auflösung und einem Lernprozess für Max verbundene Handlung gibt es nicht. Einzig beeindruckend sind wilden Kerle selbst: zottelige, riesige Pelz- und Federviecher mit rührend animierter Mimik, die in der goldenen Abendsonne ganze Wälder zerlegen. Ansonsten: Manche Dinge gehören der Fantasie eines Lesers überlassen. (vs)

Wo die wilden Kerle wohnen (Poster)