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White House Down

White House Down (Poster)

Bewertung

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Filminhalt

Dass der US-Präsident auch ganz unpräsidial Schurken aus seinem Privatjet befördert und sich durchaus als Actionheld eignet, hat vor 15 Jahren schon Harrison Ford in Wolfgang Petersens „Air Force One“ bewiesen. Fast logisch, dass Petersens Amerika-Epigone Roland Emmerich nun erzählt, dass der mächtigste Mann der Welt auch etwas gegen ungebetene Besucher in seinen vier Wänden hat – hatte Emmerich den Amis doch schon Aliens („Independence Day“), eine Großechse („Godzilla“), eine Eiszeit („The Day after tomorrow“ und die Maya-Apokalypse („2012“) beschert und dabei das Weiße Haus zweimal zerstört. Da erscheint eine Verschwörung gegen Mr. President aus dem militärisch-industriellen Komplex, weißen Rassisten, enttäuschten Elitesoldaten und Teilen der Regierung als sinnige Steigerung, wenn man das Zentrum der Macht als Symbol des wahren Amerika versteht und die Bedrohung aus einem nun auch feindlich gesinnten Inland kommt. Womit auch ein großer Unterscheid zu dem erst vor wenigen Monaten gelaufenen „Olympus has fallen“ benannt ist. Darin stürmten Nordkoreaner über den penibel geschnittenen Rasen des Weißen Hauses, und als John-McClane-Kopie zog dort ebenfalls ein Einzelkämpfer in den Häuserkampf, um den Präsidenten, das Land und die Welt zu retten. Dort war es ein Secret-Service-Mann, hier ist es ein Polizist (Channing Tatum „Magic Mike“), der als Secret-Service-Mann abgelehnt wird und dem Personalbüro kurz darauf seine Qualifikation für den Job doch nachhaltig beweisen kann.

Change we believe in

War der Ton in „Olympus has fallen“ brutal-reaktionär, so ist er bei Emmerich liberal-locker. Vor allem wegen des aktiv in den Nahkampf eingreifenden Präsidenten (Jamie Foxx mit Obama-Charme), der alle US-Truppen aus dem Nahen Osten abziehen will, um Frieden mit dem Iran und der ganzen Region zu schließen. Das bringt paramilitärische Kräfte auf den Plan, die lieber alle Feindesländer dort atomar einäschern würden, als sich zurückzuziehen. Es ist eine naive Utopie, die Emmerich in seinem bunten, durch zu viele billige Spezialeffekte oft wie ein Animationsfilm wirkenden Actioner verteidigen lässt – und sie atmet fünf Jahre nach Barack Obamas Wahl, lange nach seiner Entzauberung und Reduzierung vom Heilbringer auf einen Realpolitiker, noch das „Yes we can“ der Jahre, in denen Amerika glaubte, diesem Mann sei alles möglich, die Überwindung ethnologischer Gräben, das Händereichen über jede ideologisch-politische Grenze hinweg. In der Zwischenzeit weiß man es besser. Kein US-Präsident wurde jemals so massiv von der gegnerischen Partei blockiert und gemobbt. Umso verbissener fighten hier afroamerikanischer Landesvater und weißer Familienpapa aus der unteren Mittelschicht gegen eine Rückkehr zur chauvinistischen Politik der Bush-Ära. Change we believe in …

„White House Down“ transportiert die Vision von einer besseren Welt

Dadurch scheint der „Stirb langsam“-Klon wie eine demokratische Antwort auf den Amerikas militärische Stärke beschwörenden „Olympus has fallen“, obwohl Emmerichs Film zeitgleich gedreht wurde. „White House Down“ hat viele pointierte Dialoge, aber auch viele Schwächen, ist ein Patchwork aus Versatzstücken anderer Einer-gegen-alle-Abenteuern, verschenkt Spannung durch jugendfreundliche Ballereien und Klischees und ist teilweise ausgesprochen albern. Aber er ist auch eine Rarität: Ein gewalttätiger Blockbuster, der die Vision von einer besseren Welt transportiert. Oder wie es ein Regierungsbeamter formuliert, als der Präsident aus seiner Limousine heraus mit einem Raketenwerfer auf seine Verfolger zielt: „Tja, das ist mal was, was man auch nicht jeden Tag sieht.“ (vs)

  • White House Down (Filmbild 2)
  • White House Down (Filmbild 3)
  • White House Down (Filmbild 4)
  • White House Down (Filmbild 5)
  • White House Down (Filmbild 8)