Wer weiß, wohin?

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Nein, sie wissen nicht, wohin mit ihrer Trauer. Jeder Bewohner des entlegenen libanesischen Bergdorfes, egal ob Christ oder Moslem, hat jemanden im langjährigen Bürgerkrieg verloren. Aber als erneute Konflikte im Land aufbranden, sind es die Frauen und Mütter des Ortes, die versuchen, den Stolz und die Streitlust ihrer Männer im Keim zu ersticken. Um das Schlimmste zu verhindern, ist ihnen von gekappten Fernsehkabeln übers Vortäuschen von Wundern bis hin zum Anheuern von russischen Stripperinnen kein Mittel zu verrückt … Nadine Labaki ist wie bei ihrem hochgelobten Erstling „Caramel“ nicht bloß Regisseurin und Hauptdarstellerin, sondern schrieb auch wieder am Drehbuch mit. „Wer weiß, wohin?“ ist ein orientalisches Märchen, dessen schräge Figuren jedoch direkt aus einer französischen Komödie entsprungen sein könnten. Die Frauen tragen die Last des Friedens auf ihren Schultern. Sie tun das mit List und Liebe – und bei all ihren wilden Verzweiflungstaten immer auch mit Würde. (kab)

Wer weiß, wohin? (Poster)