Watchmen – Die Wächter

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Watchmen“ war in den 80ern eine renommierte Comicserie und galt lange als unverfilmbar. Doch „300“-Regisseur Zack Snyder hat es geschafft. Es geht um eine Gruppe maskierter Superheldendarsteller in einem fiktiven Amerika von 1985. Nixon ist nach dem gewonnenen Vietnamkrieg weiter an der Macht und steuert auf einen Atomkrieg mit der UdSSR zu, derweil die Superhelden von Mordanschlägen heimgesucht werden. Einer von ihnen, Rorschach (Jackie Earle Haley), ermittelt in der Sache und kommt einer Verschwörung auf die Spur, die die ganze Welt bedroht … Snyder entwickelt in einer kaum nacherzählbaren Handlungsfolge ein überstilisiertes Kinokunstwerk, das wild zwischen Science-Fiction, Film noir, Beziehungsdrama, Splatter und Whodunit pendelt – und bereitet uns damit mehr Unbehagen als Vergnügen. Das liegt vor allem an der expliziten und selten ausreichend motivierten Gewalt.

In „Watchmen“ trifft Leni Riefenstahl auf Zen

Genussvoll zerbricht Snyder Arme und Beine, Knochen durchstoßen die Haut, Glieder werden abgehackt, zwei Hunde kämpfen um den Unterschenkel eines Kindes (der Schuh ist noch dran). Und jedes ekle Bild unterlegt er mit überrealistischen Knirsch-, Schmatz- und Splittersounds. Snyders Gewaltästhetik hat in ihrem rhythmischen Wechsel aus Normaltempo und Extremzeitlupe etwas Wohliges; man wiegt sich im Anblick schaurigschönen Sterbens – und wird so unmerklich korrumpiert. In diesem Film trifft Leni Riefenstahl auf Zen, Sadismus auf Postkartenkitsch – und wir zumindest auf einen Helden, der dann doch echte Superkräfte besitzt: Dr. Manhattan (Billy Crudup), ein Übermensch, der den Vietnamkrieg zugunsten der USA entschied. Gott ist also doch Amerikaner. Die Kombination aus all dem wirkt fast faschistoid, und einer der wenigen Bildwitze – ein Feuerstoß aus dem Auspuff eines Luftautos als Ejakulationssymbol – mindert dieses Gefühl kaum. Es ist immer kurz vor 12 in diesem Film – und auch für diesen Film, der ideologisch gefährlich nah am Abgrund balanciert. Das gilt auch für das Ende: Der vermeintliche Bösewicht schafft schließlich doch das Gute – aber dank Millionen Toter. (mw)

Watchmen - Die Wächter (Poster)