War Photographer

„Sollte man sehen“ kulturmovies

James Nachtwey macht wenig Worte. Er macht Fotos, die den Betrachter sprachlos zurück lassen, weil sie soviel zu erzählen haben. Nachtwey, seit 20 Jahren Kriegsfotograf, beginnt erst nach zehn Minuten zu sprechen. Ohne Zynismus berichtet er von Grausamkeit, unendlicher Armut und über seine Entscheidung, dieses Leiden abzulichten. „Im Krieg werden die normalen Umgangsformen außer Kraft gesetzt”, sagt er. Darum kann er dem Geschehen ungewöhnlich nahe treten. Ein Schockeffekt, verstärkt durch Aufnahmen einer Mikrokamera, die direkt auf Nachtweys Fotoapparat angebracht ist. Den Schrecken im Fokus, der ruhige Atem des Fotografen, das Klicken des Auslösers. „Blair Witch,“ nur eben real.

Chronologisch begleitet der Film den sympathischen Workaholic mit Seitenscheitel an Brennpunkte vom Kosovo bis Palästina. Immer getreu der Botschaft: „Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.“ Christian Freis Doku – erschütternd direkt und zu recht diese Jahr oscarnominiert – bombardiert den Betrachter mit Leidenszeugnissen. Das dient natürlich der Aufdeckung von Missständen, führt aber unvermeidlich auch zur Abnutzung dieser Bilder. (mb)

War Photographer (Poster)