Und morgen die ganze Welt

„Kann man sehen“ kulturmovies

Schon im Vorfeld hat „Und morgen die ganze Welt“ Einiges an Kontroverse ausgelöst: Julia von Heinz’ Film über eine junge Frau aus gutem Haus, die sich einer linksalternativen Kommune anschließt und zunehmend radikalisiert, schien zumindest Trailern zufolge in die Falle der Extremismustheorie zu tappen, nach der Links- und Rechtsextremismus ähnlich gefährlich und gewaltbereit seien. Hier kann man Entwarnung geben: Die Fronten sind klar in diesem fast dokumentarisch inszenierten Thriller, das signalisieren auch von Heinz’ Vergangenheit als Antifa-Engagierte und gleich mehrere Cameos der linken HipHop-Gruppe Neonschwarz. Doch die Regisseurin, deren Erlebnisse in der Szene auch das Drehbuch inspirierten, verheddert sich ihrem Wettbewerbsbeitrag von Venedig in den Wendungen ihres Plots und verliert darüber die Politik aus den Augen. Denn ihre Hauptfigur Luisa (Mala Emde) hat vor allem persönliche Gründe, sich im Kampf gegen Rechts zu engagieren, allen voran eine klischeehafte Liebesgeschichte mit dem militanten Alfa (Noah Saavedra). Ist Gewalt nun ein legitimes Mittel gegen Rassismus, Antisemitismus und Faschismus? Der Film weiß auf diese Frage keine Antwort – und hat wohl auch nur bedingtes Interesse daran, eine zu finden. mj

Und morgen die ganze Welt (Poster)