Einfühlsames Familiendrama: „Love after Love“

Wie lebt man weiter, nachdem man einen geliebten Menschen verloren hat?

In seinem Debütfilm Love after Love spürt Regisseur Russel Harbaugh dieser Frage nach. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die verheirateten College-Professoren Glenn (Gareth Williams) und Suzanne (umwerfend – Andie MacDowell) sowie deren Söhne Nicholas (Chris O’Dowd) und Chris (James Adomian). Als Glenn an Krebs erkrankt und sein Tod schließlich unausweichlich wird, beschließt die Familie, seinen letzten Sommer gemeinsam zu verbringen. Mit dem Tod Glenns verliert die Familie die Grundlage ihres Zusammenlebens.

Mit viel Fingerspitzengefühl schildert „Love after Love“, wie der Verlust die einzelnen Familienmitglieder dazu zwingt, sich neu zu orientieren und ihr Leben entlang neuer Fixpunkte auszurichten. Nicholas trennt sich von seiner langjährigen Freundin Rebecca (Juliet Rylance) und stürzt sich Hals über Kopf in eine Affäre mit einer ehemaligen Studentin seines Vaters. Chris treibt seine Karriere als Künstler voran und stößt dabei auf viel Widerstand. Suzanne versucht ihrem Leben eine neue Bedeutung zu geben, indem sie sich mit neuen Männern trifft und zu erfahren versucht , wie es ist, nach der großen Liebe noch einmal zu lieben.

Mit einem besonderen Blick fürs Detail erzählt Harbaugh nicht nur, wie die einzelnen Mitglieder der Familie neue Wege gehen, sondern auch, wie die Handlungen der Figuren sich gegenseitig beeinflussen. Wie kann Nicholas seine Freundin verlassen, wenn Suzanne ihren Ehemann einfach gehen lassen musste? Harbaughs subtile Erzählweise widersetzt sich den oberflächlichen Rührseligkeiten, die eine solche Geschichte stets Gefahr läuft hervorzubringen. Anstatt die Konflikte des Films voreilig aufzulösen, lässt Harbaugh seinen Figuren genug Raum, sich zu entfalten und nachvollziehbare Entwicklungen zu durchlaufen.

Kunstvoll verknüpft der Film die Themen Liebe, Verlust und Selbstfindung miteinander. Mit einem überzeugenden Cast und einer schon jetzt stilsicheren Handschrift des jungen Regisseurs gehört „Love after Love“ zu den Highlights des aktuellen Kinojahres.

Kinostart: 01.08.2019