The Whispering Star

„Muss man sehen“ kulturmovies

Das Universum braucht den Menschen nicht. Ein paar Leben in ferner Zukunft noch, vereinzelt, melancholisch, auf apokalyptisch anmutenden Planeten, aber das Zusammenleben wird elektronisch organisiert, das meiste passiert per Datenübermittlung, und das letzte bisschen zwischenmenschlichen Kontakt übernehmen interstellare Androiden-Paketdienste. Die liefern Erinnerungsartefakte: einen Bleistift, einen Filmstreifen, Kram, den niemand braucht, der allerdings einen Hauch von Menschlichkeit in der Weite des Alls aufrechterhält. Sion Sonos „The whispering Star“ begleitet Androide Yoko Suzuki auf ihren Auslieferungsreisen, wir sehen sie, wie sie ihr Retroraumschiff putzt, mit dem Bordcomputer spricht, nach Ewigkeiten in trostlosen Landschaften ankommt und Pakete überreicht. Sonst nichts. Einmal scheint der Computer falsche Daten zu liefern, dann taucht die Ahnung einer Bedrohung auf, aber es ist nicht schlimm, es müssen nur die Kontakte gereinigt werden. Dass Yokos Begegnungen mit den Menschen im Katastrophengebiet um Fukushima gedreht wurden, dass außer Megumi Kagurazaka ausschließlich Laien spielen, die aus der Todeszone um das 2011 kollabierte Atomkraftwerk evakuiert wurden, das gibt dem Film einen leicht sozialkritischen Dreh. Tatsächlich aber hat der Japaner Sono, der in Europa vor allem als großer Kinoeklektiker bekannt ist, hier in erster Linie ein Filmgedicht geschrieben, hermetisch, melancholisch, dunkel. Ohne Handlung, ohne Botschaft. (fis)

The Whispering Star (Poster)