The Shallows – Gefahr aus der Tiefe

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Zuletzt von ironischem Traskalkül à la „Sharknado“ vereinnahmt, ist der Hai in hier wieder eine ernst zu nehmende Gefahr. Ein Alleinstellungsmerkmal von „The Shallows“ ist, dass der Urkampf des einzelnen Menschen, der sich gegen die Natur behaupten muss, von einer Frau ausgefochten wird: Die Surferin Nancy (Blake Lively) muss nach dem Angriff eines Weißen Hais auf einem Stein ausharren, der aus dem Meerwasser ragt – den Hai und die nahende Flut immer im Rücken. Zugegeben: Die Kamera saugt sich zunächst auffällig lange an Livelys Bikinikörper fest, der Blick ist dezidiert männlich. Doch Nancy bleibt weder passiv noch wird sie im Folgenden zum reinen Blickfang degradiert. In einem angemessen pathetisch inszenierten Akt der Selbstermächtigung reißt sie die Situation an sich, ihr Geschlecht wird unwichtig, ihr Körper dient einzig dem Selbsterhalt: Nancy ist bloß noch ein Mensch, der überleben will, der überleben muss – im männerdominierten Survivalkino ein deutlicher Schritt nach vorn.

„The Shallows“ ist konzentriertes, kurzweiliges Genrekino

Darüber hinaus hat Regisseur Jaume Collet-Serra („Unknown Identity“) echte Sympathie für seine Heldin übrig – und sie für uns: Gilt das vielleicht letzte „Ich liebe euch!“ an ihre Familie, das sie mitten in die Kamera fleht, nicht auch dem Zuschauer? Derlei Herzlichkeiten finden sich oft; so bleibt eine Möwe mit verletztem Flügel Nancys einzige Verbündete inmitten ihrer scheinbar aussichtlosen Situation – nicht zuletzt dadurch leidet man tatsächlich mit, auch wenn sich der Film dramaturgisch auf althergebrachte Muster stützt. „The Shallows“ ist konzentriertes, kurzweiliges Genrekino, das in keinem Moment vorgibt, mehr zu sein. sb

The Shallows - Gefahr aus der Tiefe (Poster)