The Neon Demon

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Bei seiner Premiere beim Filmfestival in Cannes hagelte es für „The Neon Demon“ Buh-Rufe und wüste Beschimpfungen. Als Mischung aus dem Hollywooddrama „Das Tal der Puppen“ und dem Horrorklassiker „Blutgericht in Texas“ angekündigt, wäre genug Potenzial für echten Zündstoff vorhanden gewesen: Hysterisches Melodram trifft auf hyperrealistisches Terrorkino? Her damit! Doch Regisseur Nicolas Winding Refn („Drive“, 2011) bleibt – diesmal leider – seiner bewährten Gangart treu: Ultralangsam, dabei überraschend manierlich ist seine grellfarbige Mär inszeniert, die der jungen Modelanwärterin Jesse (Elle Fanning) in die Glitzerwelt von L.A. folgt, welche schon bald ihr hässliches Antlitz offenbart. Wie schon Paul Verhoeven in „Showgirls“ (1995) nutzt Refn reine Oberflächenreize, um eine reine Oberflächenrealität bloßzulegen; Verhoevens satirischer Ansatz und die Lust am Camp gehen „The Neon Demon“ allerdings ab – und dass Schönheitswahn und Körperkult ungesunden Konkurrenzdruck fördern, das weiß man nicht erst seit „Germany‘s next Topmodel“. Am Ende klotzt Refn noch mal mit kalkulierten Grenzübertritten von Nekrophilie bis Kannibalismus – natürlich auf Symbolebene. Die ändern aber wenig daran, dass „The Neon Demon“ kaum so aufregend ist, wie er aussieht. Die Formulierung style over substance, hier ist sie mehr als angebracht. sb

The Neon Demon (Poster)