The Lost Leonardo

„Muss man sehen“ kulturmovies

The Lost Leonardo | Kritik

Der Film The Lost Leonardo ist ein Dokumentarfilm über die Mechanismen des Kunstmarkts am Beispiel eines einzelnen Kunstwerks. Ist es das Original oder doch nur eine Replik eines Epigonen? An der Antwort auf diese Frage bemisst sich der Wert dieses Gemäldes. Denn zwei US-Kunsthändler hatten das Jesus-Bildnis 2005 eines unbekannten Meisters für 1175 Dollar ersteigert, der saudische Kronprinzen Mohammed bin Salman al-Saud 2017 bot für das gleiche Bild, das nunmehr als Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ gilt, 450 Millionen Dollar. Aber ist es wirklich ein echter da Vinci? Auch Andreas Koefoed vermag das Geheimnis nicht wirklich zu lüften. Der norwegischen Dokumentarfilmer beschäftigt sich mit dem Werk als solches lediglich am Rande, wobei immerhin der aufwendige und heftig umstrittene Restaurierungsprozess des schwer beschädigten Bildes anschaulich rekonstruiert wird. Koefelds eigentliches Interesse aber gilt dem völlig aus dem Ruder gelaufenen internationalen Kunstmarkt.

Von Kurator:innen weltberühmter Museen über Restaurator:innen bis hin zu Kunstkritiker:innen: Koefoed hat mit vielen gesprochen. Fast alle stehen am Ende ziemlich entzaubert da. The Lost Leonardo erzählt von Eitelkeiten, Geltungssucht und Geldwäsche, seziert die aufwendige Vermarktungsstrategie des Auktionshauses Christie‘s und schildert im letzten Kapitel wozu da Vincis Bild zuletzt verkommen ist: zu einem politischen Druckmittel des egomanischen Kronprinzen MBS. Überraschend ist, wie unterhaltsam Kodefoed dies gelingt. Aufgebaut wie ein Thriller (und etwas zu überdeutlich mit entsprechender Filmmusik unterlegt), beweist er nicht nur einen Sinn für leinwandgerechte Bilder, sondern auch für perfektes Storytelling. (ascho)

The Lost Leonardo | Fotos

The Lost Leonardo | Besetzung

The Lost Leonardo (Poster)

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