The Hateful 8

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Kaum ein Regisseur hat die Popkultur in den letzten Jahren so nachhaltig geprägt wie Quentin Tarantino. Sein neuer Film „The Hateful 8“ belegt jedoch, was sich bereits in „Django unchained“ andeutete: Tarantinos Stilrepertoire hat sich erschöpft, sein Name ist zur Marke erstarrt. So ist ihm zwar der womöglich redseligste Western gelungen, der je gedreht wurde – die erste Hälfte des fast dreistündigen Films mutet an wie eine überlange Exposition –, doch fehlt es den Dialogen an Prägnanz; die titelgebenden „hasserfüllten Acht“, die sich während eines Schneesturms in einem verlassenen Miederwarenladen zusammenfinden, tragen zwar schmissige Spitznamen („Der Henker“, „Der Mexikaner“) – eine ikonische Figur gibt es unter ihnen aber nicht. Inhaltlich knüpft „The Hateful 8“ nahtlos an seinen Vorgänger an: In den Konflikten spiegelt sich der amerikanische Bürgerkrieg, die Hütte wird symbolisch in Nord und Süd unterteilt, bevor sie schließlich zum Schlachtfeld mutiert – wobei die Linie zwischen genreinhärenter Unerbittlichkeit und betont cooler Gewaltlust hier so schmal verläuft wie noch nie. Immerhin entwickelt Tarantino aus seinem reduzierten, enorm detailreichen Setting eine erstaunliche atmosphärische Dichte, die den Film weit über sein zynisches Schlussbild hinaus nachwirken lässt – die Relevanz und Frische früherer Tage erreicht Tarantino aber längst nicht mehr. (sb)

The Hateful 8 (Poster)