The Father

„Muss man sehen“ kulturmovies

Als Anthony Hopkins im April seinen Oscar als bester Hauptdarsteller für The Father gewonnen hat, war das nicht unkontrovers. Hatte der verstorbene Chadwick Boseman den Preis nicht viel eher für sein Spiel in „Ma Rainey‘s Black Bottom“ verdient? Ist der 83-jährige Hopkins vielleicht eher für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden? Aber nach dem Schauen von „The Father“ (Kinostart: 26. 8.) sind alle Zweifel ausgeräumt. Hopkins’ Spiel als demenzkranker, aber stolzer Anthony ist vielleicht die beste Arbeit seiner Karriere: Er ist desorientiert und charmant, bemitleidenswert und furchteinflößend zugleich und überschattet sogar die großartige Olivia Colman als seine Tochter.

Dabei ist „The Father“ überraschend nahe an Hopkins’ Klassiker „Das Schweigen der Lämmer“. Denn Regisseur Florian Zeller inszeniert sein Debüt weniger als Drama denn als psychologischen Thriller, der fast ausschließlich aus Anthonys immer konfuser werdender Perspektive gedreht ist. Wir teilen seine Verwirrung, wenn er sich plötzlich in der falschen Wohnung wiederfindet, und seine Angst, wenn seine Tochter auf einmal ein anderes Gesicht hat (und nun von Olivia Williams gespielt wird). Subtile Änderungen im Szenenbild und ein beklemmender, oft fast unhörbarer Soundtrack verstärken das Gefühl der Haltlosigkeit. „The Father“ ist kein Horror, aber trotzdem der erschreckendste Film des Jahres. Und – auch dank Sir Anthony – einer der besten. (mj)

The Father (Poster)