Stan & Ollie

„Muss man sehen“ kulturmovies

Wann rannen Ihnen das letzte Mal bei einem Film Tränen der Rührung die Wangen herunter? „Stan & Ollie“ wird exakt das verursachen; er drückt auf die Tränendrüsen, wie es nur warmherzige, humanistische und ehrlich gemeinte Filme können. Zu verdanken ist das seinen beiden Hauptdarstellern: der britische Komiker Steve Coogan („Philomena“) und der US-Schauspieler John C. Reilly („Magnolia“) spielen Stan Laurel und Oliver Hardy – und sie imitieren deren komische Merkmale, ihre Blicke und Gesten, Laurels traurig-hintersinnige Gewitztheit, Hardys pompös-verletzliche Massigkeit so brillant, dass man aus dem Staunen nicht herauskommt. Sie fangen auch die Zuneigung, die diese Titanen der Filmkomik füreinander empfanden, mit großer Zärtlichkeit ein. Das mag im Kern nur Mimikry sein, aber es ist die großartigste Mimikry, die man in der Darstellung von historischen Personen erreichen kann.

„Stan & Ollie“ erzählt von der Trauer hinter dem Lachen

Und sie greift ganz tief an die Wehmut derjenigen, die mit den unschuldigen Scherzen des Duos im Fernsehen aufgewachsen sind. Es geht um Stan und Ollies Englandtour 1953, als ihr Ruhm in den USA längst verblasst ist. Stan, der Geschäftstüchtige, und Olli, der Gemütliche führen auf den erst halbleeren, dann immer volleren Bühnen Großbritanniens mit unveränderter Begeisterung ihre alten Gags auf. Doch glimmen in beiden Vorbehalte gegen den jeweils anderen, die aus der Vergangenheit stammen. Aber worum geht es im Leben, wenn es nicht um die Schönheit der Kunst geht? „Stan & Ollie“ erzählt von der Trauer, die hinter dem zuckenden, zappelnden Lacher lauert, vom Leid, das das Lachen erst gebiert und nötig macht. Und davon, wie ein Witz jede Wut verschlingen kann. vs

Stan & Ollie (Poster)