Sieben Leben

„Kann man sehen“ kulturmovies

Mit seiner Gutmenschenschmonzette „Das Streben nach Glück“ visualisierte der Italiener Gabriele Muccino 2006 reichlich streberhaft die amerikanischen Vorlieben für Idealismus, christliche Nächstenliebe und den ureigenen Traum der Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Ethik. Sein neues Drama ist die metaphorisch überfrachtete Märchengeschichte eines altruistischen Helden. Nach dem von ihm verschuldeten Unfalltod seiner Frau arbeitet Ben Thomas (Will Smith) als Finanzbeamter und hilft hochverschuldeten Menschen mit großzügigen Steuererleichterungen. Mehr noch: Kranken Menschen spendet er sogar Teile seiner eigenen Organe. Wie passend, dass sein neuer Schwarm Emily (Rosario Dawson) – furchtbar bedeutungsschwanger – ein krankes Herz hat, während seins noch immer gebrochen ist. Das biblische Motiv der Opferbringung und der Kasteiung ist eigentlich eine Steilvorlage für einen Charakterdarsteller; Will Smith aber ist keiner, weshalb er in Momenten der Rührung und der emotionalen Schwere eher einem beleidigten Jungen gleicht, dem man sein Spielzeug weggenommen hat. Das biedere Vorleben korrekter Benimmregeln stößt dem aufgeklärten Kinogänger spätestens zur Filmhälfte sauer auf. Doch wo auf der Leinwand die Liebe hinfällt – und dies ist ein Liebesfilm –, ist auch die romantische Verklärung nicht weit. Daher bleibt „Sieben Leben“ ein schwer verdaulicher Brocken von einem Drama. (ds)

Sieben Leben (Poster)