Siberia

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wer ist Clint? Woher kommt er? Welches Trauma hat ihn dazu gebracht, seine Eltern, seine Exfrau, seinen Sohn zurückzulassen und in die verschneite Wildnis zu ziehen? Das kryptische Drama stellt viele Fragen und beantwortet keine. Eindeutig ist hier nur eines: Als grantiger Naturbursche am Rand der Zivilisation ist Willem Dafoe unschlagbar. In „Der Leuchtturm“ hatte er zumindest noch Robert Pattinson als Gegenspieler, in der arktischen Einöde leistet ihm diesmal nur ein Rudel Schlittenhunde Gesellschaft – und die seltenen Gäste, die sich in seine Hütte verirren. Oder eben nicht. Denn was real ist und was sich Clint herbeihalluziniert, ist bald nicht mehr auseinanderzuhalten. Auf der Suche nach Klarheit reist er mit dem Hundeschlitten durch wahrhaft unvergessliche Bilder: ein Sonnenaufgang in einer unterirdischen Höhle, eine Schneelandschaft, die über Nacht zur Wüste wird, eine Greisin, die einen Pferdekopf gebiert. Vor dem Kollaps gerettet wird diese verstörende Seelenwanderung, die irgendwo zwischen Carl Jung und David Lynch liegt, nur durch die fesselnde Performance Dafoes, dem Regisseur Abel Ferrara seine Rolle auf den Leib geschrieben hat. mj

Siberia (Poster)