Rosas Hochzeit

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Das Interessanteste an Icíar Bollaíns neuem Film ist die Tatsache, dass er als sommerliche Feelgood-Komödie vermarktet wird. Sonderlich viel zu lachen gibt es nämlich gar nicht, und auch die schöne spanische Landschaft streift die Kamera meist nur. Oberflächlich fröhlich, bei genauerem Nachdenken aber eher tragisch ist auch der zentrale Kniff des Films: Rosa (Candela Peña) ist fast 45 und heiratet – aber nicht etwa ihren Freund Rafa, sondern sich selbst. Damit will sie wieder Kontrolle über ein Leben gewinnen, das ihr zunehmend entgleitet. Die erwachsene Tochter wohnt im fernen Manchester, ihre Familie nutzt sie aus, ihre Chefin ebenso. Also zurück ins Heimatdorf, wo Rosa nach der Hochzeit die Schneiderei ihrer Mutter wiedereröffnen will. Doch mit ihren Schwierigkeiten ist sie nicht allein. So lebt ihr Bruder Armando (Sergi López) von seiner Frau getrennt, der Vater (Ramón Barea) kann nach dem Tod der Mutter nicht mehr allein sein, und Schwester Violeta (Nathalie Poza) ist Alkoholikerin. Kann ein einzelner symbolischer Akt diese großen Erwachsenenprobleme lösen? Natürlich nicht. Aber für die Dauer eines Films kann es sich so anfühlen. mj

Rosas Hochzeit (Poster)