Ralph reichts

„Sollte man sehen“ kulturmovies

In Zeiten der großen Sehnsucht nach den Filmen der 80er und frühen 90er und der Flut von Remakes („Total Recall“, „Dredd“) war es nur eine Frage der Zeit, bis auch Animationsstudios einen Blick in die jüngere Vergangenheit unserer Popkultur werfen. So ist „Ralph reichts“ vor allem eine Hommage an alle, die in den 80er-Jahren ihr Taschengeld mit Videospielen wie „Pac-Man“ oder „Asteroids“ verdaddelten. Der grobschlächtige Ralph ist Schurke des Spielhallenhits „Fix-it-Felix“. Sobald eine Münze eingeworfen wird, muss der Muskelberg ein vierstöckiges Haus zerdeppern. Doch nach 30 Jahren Routine packt ihn der Midlife-Crisis-bedingte Aktionismus: Ralph türmt aus seiner 16-Bit-Welt – und landet über Umwegen in durchdesignten 3-D-Ego-Shootern und puffigen Autorennen in Neonrosa. Regisseur Rich Moore („Simpsons“, „Futurama“) garniert seinen Farbenrausch mit allerhand Retrowitzen, bei denen Computernerds vor Freude quietschen. Doch so kurzweilig die Auftritte von Pac-Man oder Sega- und Nintendo-Helden auch sind: Der moralische Subtext – alternder Held schöpft durch Freundschaft zu Mädchen neuen Lebensmut – nervt wie ein übermächtiger Endgegner. Ein Film für Videospielfans, aber eben immer noch ein Disney-Film. (ds)

Prädikat besonders wertvoll

Ralph reichts (Poster)