Der streng religiöse Mann war schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort. Fünf Jahre wird er im US-Lager Guantánamo gefangen gehalten und gefoltert – ohne Anklage, ohne Prozess. Die Bundesregierung verhindert lange seine Freilassung. Der Fall Murat Kurnaz ist längst ein Stück deutsche (Un)rechtsgeschichte. Stefan Schaller hat sie 2013 unter dem Titel „5 Jahre Leben“ schon einmal verfilmt. Andreas Dresen nähert sich ihr jetzt in seinem Film Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush aus einer anderen Perspektive und erzählt sie mit großen Zeitsprüngen in seinem bewährten Alltagsrealismus. Im Zentrum: der Bremer Menschenrechtsanwalt Docke (Scheer), nordisch spröde und engagiert, und Murats Mutter Rabiye. Sie kämpft um ihren Sohn bis hin zum Supreme Cort in Washington. Ihre naive, aber bodenständig-direkte Art ist entwaffnend, ihre Schlagfertigkeit hat etwas Komödiantisches, das zunächst nicht so recht zum bitteren Ernst der Geschichte passen will. Doch dann dringt Dresen mehr und mehr zum Kern vor. „Hier geht es um die DNA des Rechtsstaats“, sagt Anwalt Docke und Meltem Kaptan rückt nun die Verzweiflung wie den unverbrüchlichen Kampfeswillen dieser Frau in den Vordergrund. Dafür gab’s bei der Berlinale verdientermaßen den Silbernen Bären. ascho