Plötzlich Familie

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Sean Anders’ vorheriger Film „Daddy’s Home 2“ (2017) war ein trojanisches Pferd: Keine familienfreundliche Chaoskomödie, sondern ein Film über die Extreme Amerikas, hysterisch komisch und schrecklich trist. Mit „Plötzlich Familie“ löst Anders nun vermeintlich ein, was schon der Vorgänger versprochen hatte: ein Crowdpleaser, was fürs Herz. Pete (Wahlberg) und Ellie (Rose Byrne) wollen ihre Beziehung in Schwung bringen, indem sie eine Familie gründen. Um zugleich Gutes zu tun und ihrer liberalen Vorbildfunktion gerecht zu werden, entschließen sie sich, ein Kind zu adoptieren. Doch ehe sie sich’s versehen haben sie gleich drei im Haus: die 15-jährige Rebellin Lizzy sowie ihre jüngeren Geschwister, die widerspenstige Lita und den ängstlichen Juan. Anders als im erbarmungslosen „Daddy’s Home 2“ lässt es Anders diesmal zu, dass man seine Figuren liebenswürdig findet. Und doch läuft er vor allem dann zur Hochform auf, wenn er die Geltungssucht und die uramerikanischen Neurosen seines Personals ins Psychothische kippen lässt. Das Ende des Films ist somit auch ein Showdown der Tonalitäten, der das Satirische und das Süße kongenial aufeinanderprallen lässt: Neben dem Hauptthema – wie wird aus Fremden eine Familie? – gibt es noch einen zweiten Konflikt, und Anders weiß, dass er das Dilemma kaum zu einer vollumfänglich befriedigenden Lösung bringen kann. Deshalb fährt er im Finale mit einer Überdosis Zucker auf, als Gift verabreicht. msb

Plötzlich Familie (Poster)