Petting statt Pershing

„Sollte man sehen“ kulturmovies

In den 80ern konnte man sich diese Frage noch stellen: Schaffe ich es, meine Jungfräulichkeit zu verlieren, bevor der Atomkrieg kommt? Die 17-jährige Schülerin Ursula erlebt das Jahrzehnt der Walkman und pastellfarbenen Jogginganzüge in der tiefsten hessischen Provinz – und fürchtet, dass die Antwort in ihrem Fall nein lautet. Ihr Dasein als bebrilltes, übergewichtiges, Camus lesendes Mauerblümchen gerät aber gehörig durcheinander, als der neue friedensbewegte und gutaussehende Lehrer Siegfried an ihre Schule kommt. Ursula ist völlig verknallt.

Als ihr aber klar wird, dass Siegfried die sexuelle Befreiung des ganzes Ortes höchstpersönlich übernimmt, ihre Mutter eingeschlossen, gibt sie den gewaltfreien Widerstand nach Mahatma Gandhi auf und greift zur handfesten Selbsthilfe, um die Verhältnisse wieder geradezurücken … So liebevoll die 80er-Jahre-Klischees hier vorgeführt werden – ein paar weniger hätten es auch getan. Und doch hält die Coming-of-Age-Geschichte die Balance zwischen nostalgisch eingefärbtem Humor und der anrührenden Selbstfindung Ursulas. Eine Komödie der leisen Töne. rr

Petting statt Pershing (Poster)