Per Anhalter durch die Galaxis

„Kann man sehen“ kulturmovies

Verfilmt man ein Kultbuch, ist das immer auch ein Selbstmordkommando: Trifft man den Geschmack der Fans, ist man ihr Märtyrer. Liegt man daneben, hassen sie einen wie die Pest, die Borg und Orks zusammen. Garth Jennings könnte mit seiner Adaption von Douglas Adams’ Kultbuch um eine Hyperraum-Expressroute, Weltall-Odysseen und den Sinn des Lebens mehr Ärger als Wohlwollen auf sich ziehen. Als hätte jemand den Fuß auf der Lichtgeschwindigkeit, taumeln, stolpern, hetzen und rennen Arthur und seine Freunde hysterisch durchs All und über fremde Planeten. Adams’ Vorlage ist zum Bersten gefüllt mit wilden, fantastischen Ideen – die Transferleistung eines Kinofilms bestünde darin, der turbulenten Handlung ein ruhiges Zentrum zu verleihen, von wo aus das Chaos sich seinen Weg in die einzelnen Handlungsstränge bahnen kann. Jeder Hurricane ist in seinem Innersten still und friedlich. Das findet Jennings nicht, und je mehr Ideen, Gags und Anekdoten an einem vorbeizischen, desto mehr macht sich die Clip-Vergangenheit des Regisseurs bemerkbar. Dem Tempo, in dem er inszeniert, kann man für die Länge eines Videos folgen – bei 110 Minuten lässt die Aufmerksamkeit rapide nach.

„Per Anhalter durch die Galaxis“ saust mit Gags an einem vorbei

Auch die Schauspielführung leidet unter dieser Hatz: Martin Freeman (Arthur Dent), Mos Def (Ford Prefect) und Sam Rockwell (Zaphod Beeblebrox) spielen nicht miteinander, sondern nebeneinander her, ihre Witze gehen aus Zeitmangel in genereller Albernheit unter. Die starre Kameraführung trägt nicht dazu bei, die Darsteller zu vereinen. Sie wirkt, als verausgabe sie sich in den feschen Flügen im All und den Sauseschwenks in animierten Landschaften so sehr, dass in den Innenräumen, da, wo sich Beziehungen zwischen Filmfiguren abspielen, keine Energie mehr übrig bleibt. Auch weicht der Film oft vom Buch ab: Die Hälfte der Handlung fehlt, Super-Rechner Deep Thought sieht aus, als hätten die Mayas der Firma Apple ein Denkmal gesetzt, und der Schluss ist Kasperletheater. Um es dem Sujet entsprechend und mit Adams zu sagen: ein Film wie das Gefühl nach dem Genuss eines pangalaktischen Donnergurglers – „als ob man mit einem Goldbarren, der in Zitronenscheiben gehüllt ist, das Gehirn aus dem Kopf gedroschen bekommt“. Das macht auch eher wenig Spaß. (vs)

Per Anhalter durch die Galaxis (Poster)