Nothing Personal

„Kann man sehen“ kulturmovies

Anne (Lotte Verbeek) – rote Mähne, hartes Gesicht, ungezähmte Wut, Ziel unbekannt – stapft mit Rucksack und Zelt durch eine irische Landschaft, die ebenso zerklüftet und verödet ist wie Lenas Inneres zu sein scheint. Sie hat mit der Zivilisation gebrochen, ihren Ehering und ihre Sachen in einer leeren Amsterdamer Wohnung zurückgelassen, warum wird nie klar. Sie trifft auf den Fischer Martin (Stephen Rea), der ihr Essen gegen Arbeit anbietet. Annes Bedingung: keine Fragen. Dass Regisseurin Urszula Antoniak jegliche Hintergründe ihrer Hauptfigur verweigert, bricht dem Film und seiner interessanten Prämisse das Genick. Ohne dieses Wissen gerät Lenas aggressives, die völlige Stille und Einsamkeit der unbewohnten Natur suchendes Verhalten zum manierierten Görentum. Nichts darf hier auf der Ebene normaler zwischenmenschlicher Beziehungen verhandelt werden, alles muss unplausibel sein. Zu einer griffigen Aussage über Nähe in modernen Zeiten findet Antoniak trotz des hochgehängten, verschwurbelten Treibens dennoch nicht. Ihr sind die Leerstellen wichtiger als die Satzeichen. (vs)