München

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Olympiade 1972. Palästinensische Terroristen entführen und ermorden israelische Athleten. Wie der Vorspann klar stellt, ist Steven Spielbergs Aufarbeitung lediglich inspiriert von den wahren Ereignissen, die der Film zu Beginn in einer beeindruckenden Montage aus Spielszenen und Original-Fernsehberichten in Erinnerung ruft. Erst nach 15 Minuten beginnt die eigentliche Handlung. Ein Mann (Eric Bana) lässt seine hochschwangere Frau zurück, um im Auftrag der israelischen Regierung elf Drahtzieher des Terroraktes zu eliminieren und hinterlässt mit seinem Team eine blutige Spur in Europa. Jedes Land hat dafür bekannte Schauspieler entsandt: vom kühlen Hanns Zischler bis zum bärtigen Moritz Bleibtreu auf deutscher, Valeria Bruni-Tedeschi auf italienischer und als klassischer Pate Michael Lonsdale auf britischer Seite. Diese Schauspielerolympiade ist ein wenig enervierend, ebenso die zur Schau gestellten nationalen Klischees von schmausenden Franzosen und besoffenen Briten.

„München“  bleibt die ambivalenteste Heldengeschichte

Der Großteil des Publikum wird sich daran nicht stören und abtauchen in eine filmische Welt, die im blassbraunen Ton des 70er-Jahre-Kinos gehalten ist, ohne sich retroschick anzubiedern. Die wieder modern gewordene Action-Behauptung durch schnelle Zooms und Reißschwenks hat Spielbergs Inszenierung nicht nötig. Er steuert lieber immer wieder auf Kammerspielmomente hin, in denen die Figuren den Nahostkonflikt auf den kleinsten gemeinsamen Nenner herunterdiskutieren: Letztlich wollen alle nur nach Hause – wohl dem, der seine Heimat im Herzen trägt. Hätte sich der Thriller drum herum mehr auf seine Protagonisten eingelassen, anstatt so viel Zeit auf das Abarbeiten der Todesliste zu verwenden, „München“ wäre ein großer Wurf. So bleibt er zumindest die ambivalenteste Heldengeschichte, die Spielberg bisher erzählt hat. (rk)

München (2005) (Poster)