Lars Jessens Verfilmung von Dörte Hansens gleichnamigem Roman Mittagsstunde (im Kino ab 22. 9.) ist ein wehmütiger und gleichzeitig latent komischer Blick aufs norddeutsche Land und seine Strukturveränderungen zwischen den 1960ern und der Jetztzeit. Auf drei Zeitebenen erzählt der Film am Beispiel der Familie Feddersen nicht nur die Verwerfungen, die in einem Dorf entstehen, wenn die Flurbereinigung die Industrialisierung der Landwirtschaft vorantreibt.

Der Film ist noch viel mehr, und Schauspieler Charly Hübner bringt es im Interview mit kulturnews auf den Punkt: „Du hast den symbolischen Teppich, den Dörte da geflochten hat. Der das zum Schwingen bringt, was ja auch mit Norddeutschland zu tun hat. Das ist eine riesige Assoziation in poetischer Form, und Lars Jessen sagt: Davon machen wir jetzt mal ne konkrete Geschichte. Und das ist Ingwers Leben, Ingwers Geschichte.“

Hübner spielt Ingwer, und Ingwer unterbricht seinen Job an der Uni Kiel für ein Jahr, um seine pflegebedürftigen Großeltern zu betreuen, und dabei endlich zu sich selbst findet. Durch seine Augen nehmen wir die Normierung eines Dorfes wahr, durch seine Erinnerungen tauchen wir ein in die Geschichte des fiktiven Brinkebüll, und mit ihm sind wir gehörige überrascht, wenn lange gehütete Geheimnisse ans Tageslicht kommen. jw