Menschenkind

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Für die Verfilmung des Pulitzer-Preis-Romans „Menschenkind“ (im Original“Beloved“) von Toni Morrison hat sich zusammengetan, was in Hollywood nicht nur Rang und Namen, sondern auch politisches Engagement vorweisen kann: 1.) Regisseur Jonathan Demme, Oscar-Preisträger für das AIDS-Drama „Philadelphia“ und Gründer von Artists for Democracy in Haiti, 2.) Danny Glover, ausgezeichnet für seine Lesungen aus Nelson Mandelas Buch „Long Walk to Freedom“ und 1998 zum Goodwill-Botschafter des UN-Development Programs berufen, und 3.) Amerikas einflußreichste Talk-Masterin, Oprah Winfrey, die schon 1987 die Rechte an Morrisons Buch erwarb, von dem sie sagt: „Einer der Gründe, warum ich geboren bin, ist, dieses Buch auf die Leinwand zu bringen. Denn es ermöglicht uns, zu begreifen, was Sklaverei einer Seele antut.“

Die Rückkehr der toten Tochter

Um 1870, Ohio. Die ehemalige Sklavin Sethe (Winfrey) teilt mit dem Geist einer unter mysteriösen Umständen gestorbenen Tochter ihr Haus. Als ein liebenswerter Freund (Glover) auftaucht, verschwindet der Geist und Sethe scheint ein wenig Glück vergönnt. Doch dann erscheint ein geheimnisvolles Mädchen aus den Sümpfen – und die Vergangenheit wird wieder lebendig. Das dauert knapp drei Stunden. Nur wenige Minuten davon gehen zu Herzen. Anstatt sich auf die Gewalt der Geschichte und die Überzeugungskraft der Darsteller zu verlassen, baut Demme die Rückkehr der toten Tochter namens Menschenkind zu einer effekthascherischen Gruselgeschichte aus. Wenn das Licht angeht, bleibt nicht Sethe, deren Leidensweg auch noch in Rückblenden mit „Vom Winde verweht“- Ästhetik verkitscht wird, sondern das fratzenziehende „Menschenkind“ in Erinnerung. Guter Wille macht eben noch keinen guten Film. (cor)