Marvel’s The Avengers

„Muss man sehen“ kulturmovies

„Der unglaubliche Hulk“, „Iron Man“, „Iron Man 2“, „Thor“, „Captain America“: Seit 2008 arbeiten die Marvel Studios daran, die Superhelden ihres Comicuniversums in einem Film zusammenzuführen. Ein riskantes Unterfangen – das jedoch fulminant in einem spektakulären Actionspaß kulminiert. „Marvel’s The Avengers“ beruht wie die einzelnen Leinwandabenteuer auf den legendären Marvel-Comics. Die Superheldengruppe The Avengers, bestehend aus Iron Man (Robert Downey Jr.), Captain America (Chris Evans), Thor (Chris Hemsworth), Hulk (Mark Ruffalo), Hawkeye (Jeremy Renner) und Black Widow (Scarlett Johansson), wird zusammengeführt von Nick Fury (Samuel L. Jackson), dem Kopf der Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. Die Sechs sollen den Krieg gewinnen, den Thors böser Halbbruder Loki (Tom Hiddleston) mithilfe einer Alienarmee entfachen will. Regisseur Joss Whedon, Schöpfer von innovativen Formaten wie „Buffy – Im Bann der Dämonen“ und der auf Super RTL versendeten Serie „Firefly“, nimmt sich Zeit für die Exposition, führt jede Hauptfigur sorgfältig ein und verknüpft souverän die in den vorangegangenen Filmen ausgelegten Stränge. Whedon drückt dem Film seinen Stempel auf; das über 200 Millionen Dollar teure Spektakel hat ein Herz, das Herz des Marvel-Liebhabers- und Kenners. Die Superhelden testen ihre Kräfte erst einmal aneinander: Iron Man fetzt sich mit Thor, Thor mit Hulk, Captain America eckt mit Iron Man an. Whedon reibt die Superegos seiner Superhelden aneinander, bis es funkt und explodiert.

„Marvel’s The Avengers“ ist lustvoll und subtil

Loki betrachtet dies mit sardonischem Grinsen, er hatte auf Zwietracht gesetzt, hält Gefühle und Empfindungen für die größte Schwäche der Menschen, ihre nutzlosen Appelle an Anstand und Toleranz. Für ihn sind sie geboren, um beherrscht zu werden, und so lässt er die Massen niederknien, in Stuttgart vor einer Oper. Der Einzige, der sich erhebt, ist ein zittriger Mann, der dem Tyrannen entgegenhält, dass man nicht niederknien dürfe, denn es gebe immer welche, die zerstören und unterdrücken wollen. Der Film braucht hier gar nicht deutlicher zu werden – Alter und Gesicht des Mannes und das Setting in Deutschland machen klar, dass damit der Holocaust und jede Art von Führerwahn gemeint sind. Die Einheit von subtilen Aussagen und grandiosen Spezialeffekten, die in einem lustvoll eskapistischen Showdown mündet, ist die große Qualität des Films. Zudem gehen physische und digitale Effekte in nie gesehener Qualität eine Symbiose ein. Das Ergebnis ist ein Monstrum von Film, aber eins aus Leichtbauteilen.

Bringt Eitelkeiten und Egoismen unter einen Hut

Der Humor ist trocken und pointiert; vor allem Captain America muss für seine soldatische Korrektheit Häme einstecken, genau Thor für seinen shakespeareschen Duktus. „Marvel’s The Avengers“ ist die beste Comicverfilmung bisher, denn sie belastet sich nicht mit Moraldiskursen über die Natur von Gut und Böse wie Christopher Nolan in seinen „Batman“-Werken. Dennoch ist Whedons Film nie reines Augenkonfekt; mit den offenen Streitigkeiten und dem Misstrauen zwischen den Superhelden thematisiert er klug die Schwierigkeiten, die ein Staatenbund wie die UNO mit einzelnen Aggressoren hat. Bis alle Eitelkeiten, Egoismen und Interessen unter einen Hut gebracht sind, hat der Despot längst die Gemeinschaft gespalten und Fakten geschaffen – im Comic wie auch im echten Leben. (vs)

Marvel's The Avengers (Poster)
  • Originaltitel The Avengers
  • Entstehungsjahr 2012
  • Land USA
  • Filmlänge 142 min
  • Filmstart 26.4.2012
  • FSK 12
  • Genres