Manila

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Na, wer hätte das gedacht: „Manila“ ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Sextourismus. Pflichtschuldigst gibt Martin Semmelrogge den Mannheimer Sextouristen Franz als superekligen Typen, übertroffen nur noch von Manfred Zapatka als Fernseh- und Elektroladenbesitzer aus Neustadt. Auf dem Flughafen von Manila, vor dem Rückflug nach Deutschland, treffen hässliche Deutsche auf Normalos, die auf bildungsbeflissene Ossis treffen, die auf Möchtegern-Weltgewandte treffen … Karmakars und Romancier Bodo Kirchhoffs Drehbuch ist eine ziemlich sterile Versuchsanordnung, deren Ergebnis des Einrennen lauter offene Türen ist. Erst spät traut sich der Film aus dem Korsett des moralischen Zeigetheaters heraus. Wenn die Passagiere gegen die andauernden Notlügen der überforderten Airline-Personals aufbegehren, driftet der Film ins Surreale ab, was ihm viel besser bekommt als der vorige Holzhammer-Realismus. „Polizeistunde kennen wir nicht“ – nach der Melodie des Gefangenenchores aus „Nabucco“ – wird so zum Mantra, das die allgemeine Verbrüderung einläutet. Aber das ekstatische Ende entschädigt nur teilweise für die verstaubte Lehrstunde zu Beginn. (rr)