Lost River

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Eine fast verlassene Geisterstadt. Eine Familie, die um ihr Haus kämpft. Eine Straße, die mitten in einen Fluss führt, der ein dunkles Geheimnis birgt … Das sind die losen Enden des Regiedebüts von Schauspieler Ryan Gosling. Von Nicolas Winding Refn bis hin zum französischen Bildhypnotiseur Gaspar Noé ist dabei leicht ersichtlich, aus welchen stilistischen Quellen er schöpft – vor allem aber denkt man an die bewusstseinssprengende Albtraum-Magie David Lynchs. „Lost River“ mag nicht ganz an dessen Dichte heranreichen, aber ebenso wie Lynch versteht Gosling die Wirkungsweise des Traums: Alles kann hier diverse Bedeutungen haben oder überhaupt keine, es wird ebenso wenig psychologisiert wie erklärt – was zählt, ist die Atmosphäre, der Dialog mit dem Unbewussten. Vor der unheilvoll-verwunschenen Kulisse des maroden Detroit schafft Gosling Bilder von irrealer Schönheit und unbehaglicher Intensität. Er übersetzt die Unlogik und Akausalität des Traumerlebnisses in einen rein sinnlichen Film, der sich mit fortschreitender Laufzeit immer mehr von seiner Erzählung befreit – und trotz zahlreicher filmischer Anknüpfungspunkte schließlich seinen eigenen Rhythmus findet. (sb)

Lost River (Poster)