Lore

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Ein brisantes, bisher weitgehend ignoriertes Thema: das Schicksal der Kinder der Täter am Ende des Zweiten Weltkriegs. April 1945: Die ranghohen Nazi-Eltern der 15-jährigen Lore (Saskia Rosendahl) kehren an die Front zurück bzw. stellen sich den Amerikanern. Lore und ihre vier kleinen Geschwister bleiben zurück und müssen sich durchs chaotische Nachkriegsdeutschland von Süden nach Norden zur Oma durchschlagen … Die australische Regisseurin Cate Shortland („Somersault“) erzählt nicht nur eine Flüchtlingsgeschichte, sondern vor allem vom sexuellen Erwachen und dem Verlust der Unschuld der strammen Nazi-Tochter. Das visuelle Konzept passt dabei nicht immer zum eigentlich harten Thema; Shortland inszeniert die Odyssee der Kinder als Kobaltblau eingefärbte Coming-of-Age-Wanderung über einen Metaphern- und Symbolpfad: Viele Szenen spielen im sattgrünen Wald (das Unterbewusste), es gibt Großaufnahmen von nackten Füßen (Fruchtbarkeit) und von Aalen in einem Eimer (Sexualität). Das ist sinnlich und dicht, oft aber auch überdeutlich: Wenn Lore am Ende die Porzellanrehe ihrer Oma zerschlägt (Rehe = das schutzbedürftige Ich), hat man es dann auch kapiert: Lores Kindheit ist vorbei. (vs)

Lore (Poster)