Land der Wunder

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Regisseurin Alice Rohrwacher folgt in ihrem Film einer Imkerfamilie. Deren geordneter Alltag wird durch das deutsche Problemkind Martin, das durch das raue Landleben Läuterung erfahren soll, und von einem Fernsehteam, das einen hochdotierten Wettbewerb für regionale Produkte ausruft, gehörig durcheinandergebracht – alles erzählt aus der Perspektive der ältesten Tochter Gelsomina (Alexandra Lungu), die ihren Namen nicht zufällig mit dem Zirkusmädchen aus Federico Fellinis Klassiker „La Strada“ gemein hat. Immer wieder erweist Rohrwacher dem Altmeister des italienischen Kinos ihre Reverenz, und doch ist ihr zweiter Spielfilm von großer Eigenständigkeit: ein dramaturgisch lose verknüpftes Sommermärchen über mediale Ausbeutung und das Eindringen der neuen in die alte Welt, gleichzeitig aber auch ein wundersames und poetisches Stimmungsbild der Kindheit. Lange, das staunende Kinderauge symbolisierende Kameraschwenks suggerieren, dass hinter jedem Winkel ein Geheimnis verborgen liegen könne. Und die Ankunft des Kamerateams inmitten der Szenerie des ländlichen Umbriens wirkt schließlich fast wie ein Besuch von einem anderen Stern. (sb)

Land der Wunder (Poster)