Spannung in jeder Minute: Nervenkitzel auf der Leinwand

Spannung im Kino: Von Poker bis Action
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Das Kino hält den Atem an: Spannung ist ein essentieller Teil in Filmen, um Emotionen zu wecken und den Zuschauer an seinen Sitz zu fesseln. Folgen Filmemacher der klassischen Erzählstruktur, wartet im letzten Drittel des Filmes eine unabwendbare Klimax, der den Höhepunkt der Story darstellt. Alle Handlungsstränge enden an diesem Punkt, das Abenteuer endet. Aber wie meistern Regisseure diese Herausforderung, die Spannungskurve elegant zu halten?

Ob getöteter Hund in „John Wick“ oder der clevere Bankraub in „Ocean’s Eleven“: Für eine Spannungskurve ist es wichtig, dass die Grundzutaten mit Beginn des Filmes gesetzt sind. Den Hauptfiguren muss etwas an die Hand gegeben werden, dass ihnen wichtig ist. Mit diesen Informationen wird das Szenario aufgebaut und Zuschauer erhalten die ersten Informationen über Charaktere, die Welt, wichtige Ereignisse oder die Beziehungen. Im Laufe der Handlung baut sich darauf die Spannung in den ausgewählten Szenen auf, die den Bogen ausweitet und die Fallhöhe der Figuren kennzeichnet. Wird es dem Helden gelingen, den Schurken zu töten oder wird er selbst zum Opfer? Kann der Superheld die Welt retten oder ist es am Ende seine Schuld? Je nach Genre wird der Spannungsbogen und das persönliche „Opfer“, was die Hauptfigur im Zweifel bringen muss, anders gezeichnet.

Die Spannungskurve kann dabei viele verschiedene Möglichkeiten besitzen. In „Der Herr der Ringe“ ist der Höhepunkt der Sieg über Sauron, während in „Der Pate“ die Ermordung der fünf Oberhäupter der verschiedenen Familien während der Taufe von Connies Sohn als intensive Szene dargestellt wird. Es muss jedoch nicht immer zwangsläufig um Leben und Tod gehen. In „Casino Royale“ mit Daniel Craig und Mads Mikkelsen ist die Casino-Szene eine der spannendsten im Film. Am Pokertisch liefern sich die beiden Kontrahenten ein fesselndes Spiel, in des es darum geht, dass James Bond seinen Widersacher überführt. Verliert er das Spiel, ist seine Mission gescheitert. Anhand der Wahl des Ortes und den „Waffen“ – in diesem Fall die Karten – wird Überlegenheit und Cleverness symbolisiert. Viele Filme, die sich im Glücksspiel-Milieu bewegen, nutzen diese Form der Inszenierung. Um sich einen Überblick über die Besten verschaffen zu können, sollten Filmfans diese Art von Vertretern für den nächsten Filmabend auswählen. Zu den neueren Genrevertretern zählen „Runner Runner“ mit Ben Affleck und Justin Timberlake, „21“ mit Kevin Spacey oder „Casino Undercover“ mit Amy Poehler.

In Filmen ist Poker oft mehr als ein einfaches Spiel
In Filmen ist Poker oft mehr als ein einfaches Spiel (Quelle: Unsplash)

Beliebte Mittel zur Spannungsdarstellung

Verschiedenste Kameraeinstellungen und Spezialeffekte tragen zur Untermalung einer guten Szene bei. Besonders bei dialogreichen Szenen muss ein guter Bildaufbau erfolgen, um die Spannung über die Wörter zu tragen. Daher fokussiert die Kamera häufig direkt die Gesichter, um den Spannungsbogen zu heben. Ebenfalls darf der Einsatz von Musik nicht unterschätzt werden. Während bei einer Schlacht ein epochaler Soundtrack Soundkulisse verwendet wird, reichen minimale Soundteppiche für Dialoge zu nutzen, um keine Ablenkung zu schaffen.

Es gilt jedoch, dass ausgefeilte Charaktere zum unumstößlichen Faktor einer funktionierenden Szene gehören. Niemand fiebert mit einer Person, die er nicht versteht oder nicht leiden kann. Der Horrorthriller „Follow Me“ krankt beispielsweise an der Tatsache, dass die Hauptfigur egoistisch ist und selbst beim Versuch, seine Freunde zu retten, an sich denkt. Empathie ist das Zauberwort, das Regisseure in Szene setzen müssen. Zuschauer entwickeln eine Bindung, versetzen sich emotional in den Charakter oder verabscheuen ihn. Beachten Autoren und Filmemacher diese Aspekte sind die Grundzutaten für eine spannungsvolle Szene ausgelegt.

Close-Ups und die clevere Anwendung von Farben stellen eine bestimmte Atmosphäre dar (Quelle: Unsplash)

Meister ihres Fachs: Tarantino und Nolan im Vergleich

Quentin Tarantino und Christopher Nolan gehören zu den Regisseuren, die mit einer Spannungskurve umgehen können. Durch effektvolle Szenen oder ausgefeilte Plot Twists lassen sie den Zuschauer oft verblüfft zurück oder rauben ihm den Atem. Nolan ist bekannt für seine Blockbuster wie „Memento“, „Inception“ oder „Interstellar“. Er nimmt sich Zeit für seine Figuren, etabliert eigene Welten und lässt in dieser Umgebung ein Spannungsfeld entstehen, welches trotz aller Fantasy greifbar ist. Wer erinnert sich nicht an Leonardo DiCaprios Irrgang durch die verschiedenen Traumwelten, an dessen Ende sich alle die Frage stellten, ob es Realität oder Einbildung sei? Die Kunst, diese Frage unaufgelöst zu lassen und der Interpretation zu übergeben, verlängert die Spannung über den Abspann hinaus.

Tarantino dagegen setzt auf ein komplett anderes Konzept: Dialoge und Gewalt. In Tarantinos Meisterwerk „Pulp Fiction“ gehört die ikonische Szene im Restaurant zu den Highlights. Der Dialog in diesen Szenen legt auf einzigartige Weise dar, wie der Regisseur mit dem Skript umgeht. Um den Dialog im Vordergrund zu halten, wird bis auf den letzten Moment auf Musik verzichtet und nur eine geringe Anzahl an Perspektiven verwendet. Bei dem kritikergefeierten „Inglourious Basterds“ dagegen verbindet er in der Eingangssequenz den Dialog mit Gewalt als Stilmittel. Christopher Walz nutzt allein Worte, um die Überlegenheit und Macht seiner Figur zu demonstrieren. Mit Taktik, Einschüchterung und theoretischen Szenarien erzeugt er Spannung, die bis zu einem gewissen Grad allein über Worte funktioniert.

Die Begabung, alle Faktoren in einer Szene zusammenfließen zu lassen, ist echtes Handwerk. An diesen Punkten zeigt sich, ob der Regisseur seine Figuren, deren Bedürfnisse und Ziele verstanden hat und als ein Gesamtwerk zusammenfügen kann. Es geht nicht darum, nur den Showdown in Szene zu setzen. Wichtig ist, dass ein 120 Minuten langer Film gut verteilt seien Spannung einsetzt, um am Ende sprichwörtlich alles auf eine Karte zu setzen.