Oscars 2021: Dezentral wie nie

Mank Oscars 2021 Netflix
Die Netflix-Produktion „Mank“ ist für gleich zehn Oscars nominiert. Bild: NETFLIX

Es war in jeder Hinsicht ein ungewöhnliches Jahr für die Filmindustrie. Das schlägt sich natürlich auch bei den Oscars 2021 nieder. So ist die Liste der nominierten Personen divers wie nie. Doch den größten Einfluss auf das Kino hatte natürlich die Pandemie. Am Sonntag, den 25. April, findet die Verleihung der Academy Awards statt. Aber vieles ist in diesem Jahr anders als sonst – vor allem dezentraler. Das gilt auf mehreren Ebenen: Zum einen sind da die nominierten Filme, von denen viele wenig bis gar nicht im Kino zu sehen waren. Und zum anderen ist da die Zeremonie selbst.

Streamingplattformen werden immer wichtiger. Das war schon vor der Pandemie der Fall. Aber Covid-19 hat vielerorts die Kinos versperrt und so den Heimkonsum von Filmen noch unabdingbarer gemacht als je zuvor. Da überrascht es nicht, dass Dienste wie Netflix bei den diesjährigen Oscars eine große Rolle spielen. Während viele der Kandidaten für den besten Film zumindest hierzulande noch auf einen Starttermin mit Leinwand warten, hat David Finchers „Mank“ schon im Dezember auf Netflix Premiere gefeiert. Und das hängt nicht nur mit den geschlossenen Filmtheatern zusammen – Netflix ist nämlich auch die Produktionsfirma des Biopics. „Mank“ könnte sich für die Plattform als echter Glücksgriff erweisen, denn der Film ist in gleich zehn Kategorien nominiert, darunter beste Regie für David Fincher und bester Hauptdarsteller für Gary Oldman.

Die Regel, dass Streaming-Filme überhaupt Oscars gewinnen dürfen, gibt es übrigens erst seit letztem Jahr. Vor der Pandemie mussten Kandidaten zumindest einmal im Kino gelaufen sein. Sehr hoch angesehen und erfolgreiche Werke wie „The Irishman“ oder „Marriage Story“ sind daher noch leer ausgegangen. Das gilt für „Mank“ jetzt potenziell nicht mehr.

Auch eine normale Preisverleihung, wo sich die Hollywood-Prominenz in einem einzigen Raum drängt, ist 2021 nicht drin. Zum ersten Mal gibt es deshalb zwei Schauplätze für die Zeremonie: neben dem Dolby Theatre kommt auch noch die Union Station in Los Angeles dazu. Außerdem gibt es eine Pre- und eine Post-Show vor und nach der Verleihung, auch das eine Neuerung. Produzent der Show ist in diesem Jahr selbst ein Filmschaffender: Der Regisseur Steven Soderbergh hat die Zeremonie gemeinsam mit Stacey Sher und Jesse Collins geplant. Es wird also cinematisch. Auch per Zoom können Gäste zuschalten. Nachdem sich internationale Nominierte beschwert hatten, gibt es nun auch in Europa, etwa in London, Liveevents, zu denen sie persönlich hingehen können.

Wer die Oscars in Deutschland im Livestream verfolgen will, kann das zum Beispiel über die Webseite von Pro 7 tun. Durch die Zeitverschiebung beginnt die eigentliche Verleihung allerdings erst am Montag um 2 Uhr morgens.