Ich war zu Hause, aber …: Angela Schanelec mit neuem Film

Ich war zu Hause, aber …

Ein Hund rennt über eine Wiese, und ein Hase sitzt still zwischen ein paar Steinen im Gras. Nach einem Schnitt, der sich hart anfühlen müsste und der doch ganz sanft und selbstverständlich geschieht, befinden wir uns in einem verlassenen Gebäude – darin steht ein Esel, der gleichmütig beobachtet, wie der Hund den Kadaver des Hasen bearbeitet, und die Kamera schaut ebenso gleichmütig zurück.

So wie Angela Schanelec die Tiere im Prolog zu „Ich war zu Hause, aber …“ erst einmal sein lässt, so blickt sie auch auf die Menschen: den 13-jährigen Philipp etwa, der mit einem verletzten Fuß zu seiner Mutter Astrid (Maren Eggert) und seiner kleinen Schwester Flo (Clara Möller) zurückkehrt, nachdem er eine Woche verschwunden gewesen ist. Wer mit dem strengen, ultrareduzierten Stil der Regisseurin vertraut ist, wird darauf eingestellt sein, dass Schanelec nicht die Konfliktmöglichkeiten dieser Konstellation anvisiert.

Wie immer sind die Szenen mehr situative Fragmente, Figuren kommen und gehen, und sie sprechen in einem ganz und gar eigenen, künstlichen Duktus. Doch obwohl Schanelec nicht nur mit irritierenden Leerstellen arbeitet und vor allem Einsamkeit und die Unmöglichkeiten des (Zusammen)Lebens einfängt, versperrt sich „Ich war zu Hause, aber …“ weniger als ihr vorheriger Film „Der traumhafte Weg“: Die Filmemacherin erlaubt ihren Figuren Ausbrüche, und wenn sie oft lieber Hände als Gesichter filmt, dann liegt darin auch tief empfundene Zärtlichkeit. msb