Ein leichtes Mädchen: Zwei Cousinen und der Sommer in Südfrankreich

Wenn Regisseurin Rebecca Zlotowski ihren jüngsten Film „Ein leichtes Mädchen“ nennt, dann muss das Hinterfragen der Begrifflichkeit schon mitgedacht werden: Gemeint ist damit Sofia, gespielt von Model und Modedesignerin Zahia Dehar, die in Frankreich durch einen Prostitutionsskandal um den Fuballspieler Franck Ribéry Prominentenstatus erreichte. Es ist ein Clou, sie in der Rolle der Cousine von Naïma (Mina Farid) zu besetzen, die gerade 16 geworden ist, durch ihre Sommerferien an der Côte d’Azur driftet und mit einiger Faszination auf die abgeklärte Sofia schaut, auf die in den meisten anderen Filmen schon durch ihr künstliches Äußeres herabgeblickt werden würde.

Anders bei Zlotowski: Nicht nur, dass sie unter der Oberfläche stets die Brüche und Reibungspunkte sucht, auch nimmt sie ihre Figuren und deren Sehnsüchte erst einmal an und ernst – auch dann noch, als die beiden Cousinen zwei ältere Männer auf einer Luxusyacht kennenlernen und von der mondänen Scheinwelt heftig fasziniert sind. Spätestens hier gelingt Zlotowski das Kunststück, einerseits einen leichthändigen Coming-of-Age-Film und eine flirrende Sommerfantasie gedreht zu haben, in der auch die Filme von Eric Rohmer widerhallen. Und gleichzeitig vielschichtig und klug über Klassenverhältnisse, Käuflichkeit, Machtstrukturen und Rollenstereotype nachzudenken. msb

„Ein leichtes Mädchen“ kommt am 12. September ins Kino.

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