Der Schein trügt: Eine furiose Satire

Der gutmütige Der Schein trügt. Stojan (Goran Navojec) hadert mit der Interpretation der göttlichen Zeichen. © Neue Visionen Filmverleih
Der Schein trügt. Der gutmütige Stojan (Goran Navojec) hadert mit der Interpretation der göttlichen Zeichen. © Neue Visionen Filmverleih

Der Schein trügt von Regisseur Srdjan Dragojevic ist eine furiose Satire. Stojan ist ein unbescholtener Mann, fürsorglicher Familienvater und sehr bescheiden. Ein Kurzschluss der Glühbirne bringt ihm unverhoffte Erleuchtung: ein Heiligenschein ziert plötzlich Stojans Haupt. Er wird zur Attraktion in der Nachbarschaft und stellt das beschauliche Leben seiner Familie auf den Kopf. Stojans Frau Nada ist vom Trubel schnell genervt. Das Ding muss weg, und eine Mütze ist bekanntlich keine Dauerlösung. Doch nachdem auch gründliches Haarewaschen nichts bringt, verdonnert sie ihren Mann zu einem ausgiebigen Curriculum in Sachen Sünde. Ein bisschen Völlerei hier, ein wenig Ehebruch dort. Von derlei Tricksereien lässt sich der edle Nimbus nicht beeindrucken. Stojan ackert sich durch alle Todsünden – und findet schließlich Gefallen an der Grausamkeit. Und nicht nur er. Je herzloser Stojan seinen Vorteil ausnutzt, desto bereitwilliger wird er von den Nachbarn als moralische Instanz akzeptiert. Es stellt sich heraus: Der schöne Schein überstrahlt auch noch den schlimmsten Frevel. Sehen Sie hier den Trailer zum Film.

Der Schein trügt: Furiose Satire und groteske Bestandsaufnahme

Die Geschichte von Stojans Aufstieg ist nur der spektakuläre Auftakt zu Srdjan Dragojevics in drei Episoden geteilte Satire „Der Schein trügt“, in dem neben scheinheiligen Heiligenscheinen auch die lange Leitung zu Gott und essbare Kunstwerke eine Rolle spielen. Dem „Parada“-Regisseur gelingt nichts weniger als eine so furiose wie groteske Bestandsaufnahme des post-sozialen Europas, eine hinterlistige, äußerst kurzweilige und sehr schlaue Abrechnung mit der Macht der Bilder und der Lust an der Projektion.

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