Das Wunder im Meer von Sargasso: Thriller auf der Insel

Wohl selten wurde eine griechische Stadt so hässlich präsentiert wie Mesolongi in „Das Wunder im Meer von Sargasso“: Triste Aufnahmen von Landschaft und Gebäuden entschleunigen immer wieder die Handlung dieses Sittengemälde eines Ortes, der im 19. Jahrhundert für seinen Widerstand gegen die türkische Eroberung zum blutigen Mythos wurde. Im Hier und Jetzt sehen wir Frust und Suff. Polizistin Elisabeth (Angeliki Papoulia) wurde aus Athen ins Kaff versetzt, vögelt sich durch die Dorfgemeinschaft und säuft, bis sie sich übergeben muss. Rita (Youla Boudali) nimmt tagsüber Aale aus und hat abends eine abgefuckte Feier- und Trinktruppe am Start. 

Mit Manolis hat sie außerdem einen Sänger zum Bruder, der auf der Bühne übel die Dorfgemeinschaft beleidigt und überhaupt ein sehr aggressiver Charakter ist. Als er am Morgen nach einer drogenreichen Strandparty tot am Baum hängt, eskaliert die Situation. Regisseur Syllas Tzoumerkas zeigt uns zwei Heldinnen, die völlig unterschiedlich auf eine patriarchalisch dominierte Provinz reagieren – verängstigt-introvertiert die eine, aggressiv-überzogen die andere. Beide wollen sie weg von hier – wie die Aale, die zum Laichen von Mesolongi bis in die Sargassosee östlich von Florida schwimmen. jw

„Das Wunder im Meer von Sargasso“ kommt am 12. September ins Kino.

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