Jacques – Entdecker der Ozeane

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Entdecker, Erfinder, Tauchpionier, der Bernhard Grzimek Frankreichs: Jacques-Yves Cousteau (1910–1997) ist eine französische Ikone. Doch dieses Biopic ist keine Hagiografie, es kratzt ordentlich am Lack der Berühmtheit: Cousteau (Lambert Wilson) war vor allem anderen Geschäftsmann, der alles und jeden seinem Ego und dem Erfolg unterordnete. Er finanzierte sich durch Kooperationen mit Ölfirmen, die durch seine Expeditionen neue Quellen erschlossen – und so die Natur ausbeuteten, der Cousteau sich eigentlich verschrieben hatte. Er soll Tiere gequält und benutzt haben, um seine zahlreichen Filme und die auch in Deutschland berühmte TV-Serie „Geheimnisse des Meeres“ mit einzigartigen Bildern zu versehen. Seine Kinder steckte er ins Internat, seine Frau Simon (Audrey Tautou), erst treue Weggefährtin, verkam (laut Film) zum betrogenen Faktotum auf Cousteaus Forschungsschiff „Calypso“. Für seine Visionen von der Umsiedelung der Menschen auf den Meeresboden musste Cousteau immer mehr Geld ranschaffen – so ist auch die zum Erkennungszeichen gewordene rote Pudelmütze nur ein Vermarktungsvehikel. Im Herbst seiner Karriere entdeckte Cousteau dann seine Liebe zu seinem Sohn Philippe und der nassen Natur wieder und erfand sich als erster prominenter Umweltschützer neu. Ein zwar konventioneller Film, der aber abseits von moderner Heldenverehrung feststellt, dass der Preis für den Legendenstatus immer derselbe ist: verseuchte Gewässer an der eigenen Küste. vs

Jacques - Entdecker der Ozeane (Poster)