Intimacy

„Muss man sehen“ kulturmovies

Ein Mann wartet in einer heruntergekommenen Wohnung auf eine Frau. Sie kommt. Beide sagen nichts, ziehen sich aus, ficken. Kein Liebe machen ist das, kein Miteinander schlafen, nicht einmal Sex. Ficken. Dann gehen sie auseinander, so wortlos, wie sie sich trafen. Ein pornografischer Film, ein schonungsloser Film. Pornografisch bezogen auf den sexuellen Akt, und doch auch auf das Innenleben seiner Figuren, den Barchef Jay (Rylance) und Claire (Fox), das schutzlos wie ein nackter Mensch im Eissturm frei liegt. Angst vor Nähe und Unfähigeit zu Gefühlen verbindet die beiden einsamen Protagonisten, die einmal pro Woche triebartig kopulieren, ohne zu wissen, wer der andere ist. Sex als Flucht vor dem eigenen Ich. Chéreaus Drama zeigt wühlende Körper ebenso wie aufgewühlte Seelen, die in ihrer exzessiven Affäre ihre Abgründe im selben Maße ausleben, wie sie Nähe suchen, die sie eigentlich nicht wollen.

„Intimacy“ ist eine meisterhafte Qual

Kalt ist die Welt hier, kalt und grau, voller Verzweiflung, unerfüllter Sehnsucht und gebrochenen Herzen. Als Jay mehr von Claire will, ihr nachspioniert, sie bedrängt, sich mit ihrem Mann anfreundet, gerät die stille Übereinkunft der Körper aus den Fugen. Rylance und Fox geben sich alle Blößen, die ihre Figuren hergeben; sie sind furchtlos wie der ganze Film. Es macht keinen Spaß, dabei zuzuschauen. „Intimacy“ ist eine meisterhafte Qual, stößt er doch in die abgelegensten Winkel der Perversitäten einer modernen Welt vor, an Orte, die keiner freiwillig betreten will. Schließlich könnte man sich auf dem Weg selbst begegnen. (vs)

Intimacy (Poster)