In the Mood for Love

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wo sind die Blitze, die sich in das Gedächtnis brennen und wie verwaschene Polaroids in Erinnerung bleiben? Wong Kar-wai hat seinen Stil geändert. Keine gefallenen Großstadtengel der Jetzt-Zeit schweben durch sein neues Drehbuch. Über 30 Jahre geht er zurück, und so alt sind auch seine Figuren. Ein Mann, eine Frau. Ganz schlicht. Doch die beiden verheirateten Wohnungsnachbarn finden den Weg zueinander nicht. Sie streifen einander nur, suchen Trost, den sie bei ihren Partnern nicht finden. Der hektische Alltag mit seinem aufgesetzten Lächeln, das alles Leid versteckt, erfährt Zäsuren durch Musik. Wenn die Streicher ansetzen, bewegen sich die Körper von Li-Zehn und Chow fließend. Selbst die Lampe schwenkt so langsam, als hätte das Licht heute keine Eile. Voll Melancholie streichelt Kar-wai seine Bilder. Die Kamera blickt Li-Zehn in den Nacken statt ins Gesicht. Obwohl er nie die ganze Leinwand nutzt, zaubert Kar-wai das Maximum an Liebesgeschichte darauf. Die, die nicht geschieht. Und demontiert ganz nebenbei das Lächeln seines Landes. (cn)

In the Mood for Love (Poster)