I Feel Pretty

Filminhalt

Renee (Amy Schumer) weiß sehr wohl wie es ist, gerade so knapper Durchschnitt in der Welt der Schönen zu sein. Doch ihr Selbstbild ändert sich buchstäblich schlagartig mit einem ungebremsten Sturz vom Fitnessrad: plötzlich sieht sie sich wunderschön, auch wenn ihre Umgebung das nicht genauso erkennt und der Kopf dazu noch ganz schön brummt. Mit ganz neuem Selbstvertrauen klettert sie unerwartet auf der Karriereleiter einer Kosmetikfirma nach oben und gewinnt endlich den Respekt der von ihr so bewunderten Chefin Avery LeClaire (Michelle Williams). Doch was passiert, wenn sich die anfängliche Wirkung verflüchtigt und die Realität wieder einsetzt? (Quelle: Verleih)

Filmkritik

Wenn Heidi Klum sich die Cinderella aus Disneys Märchenfilm von 2015 anschauen würde, dann wäre die Macherin von „Germany's Next Top Model“ sicher hin und weg: Wespentaille, Rehaugen, blondes Wallehaar, Schwanenhals, ebenmäßiges Gesicht – die idealtypische Schönheit, in diesem Fall sogar mit eigener Barbiepuppe. Wenn Komikerin Amy Schumer sich dieses Püppchen ansehen würde, käme ihr das Frühstück wieder hoch. Schumer ist das, was die Modeindustrie herablassend Plus-Size-Model nennt: eine Frau mit Kurven, die morgens mehr zu sich nimmt als ein Salatblatt. Da nun ausgerechnet Amy Schumer in der Cinderella-Variante „I feel pretty“ die Hauptrolle spielt, würgt Heidi Klum wahrscheinlich an ihrem Detox-Shake. Für alle anderen aber ist der Film ein Hochgenuss, kalorienreich und extra cremig. Amy Schumer spielt Renee, niedere Angestellte einer Kosmetikfirma. Gleich zu Beginn sieht man, wie sie diskriminiert wird, weil sie nicht den gängigen Schönheitsidealen entspricht: Beim Klamottenshoppen verweist die dürre Verkäuferin sie auf den Onlineshop: Da fände sie ihre Größe bestimmt. In der Bar zieht der Kellner die hübschen Frauen vor, im Fitnessclub wird sie gedisst ob ihrer Schuhgröße. Renee, diese entfernte Verwandte von Bridget Jones, ist sicher: Wenn man schön ist, ist das Leben locker, leicht, ein Traum. Und am nächsten Tag ist Renee auch plötzlich höllisch attraktiv – zumindest glaubt sie das: Nach einem heftigen Sturz vom Fitnessfahrrad sieht Renee beim Blick in den Spiegel ein Supermodel. Von diesem Trug- und Selbstbild angetrieben, traut sie sich plötzlich alles, was sie sich vorher mit ihrem mickrigen Selbstbewusstsein verkniff. Sie bewirbt sich in der Firmenzentrale, in der die Menschen dünn sind wie Laternenpfähle und hip wie hawaiianische Poke-Bowls. Sie entert einen Bikini-Contest. Sie bezieht jeden Bauarbeiterpfiff auf sich und quatscht in der Wäscherei einfach den netten Ethan (Rory Scovel) an. Kurzum, Renee bewegt sich auf einmal durch New York wie ein Topmodel auf dem Laufsteg. Und sie fällt in der Firma auf: Ihre Chefin (Michelle Williams) hat von den Make-up-Bedürfnissen normaler Frauen so viel Ahnung wie ein Mannequin von der Völlerei. Renee erklimmt mit großen High-Heel-Schritten die Karriereleiter – doch wird ihr Superselbstbewusstsein für immer halten? „I feel pretty“ ist ein flammender Appell für eine andere Sichtweise auf Frauen und von Frauen auf sich selber. Und in dem Sinne auch ein politischer Film: Er greift die Modebranche an, die Frauenzeitschriften, die Männer, die Frauen nur als Objekt betrachten, alle „Topmodel“-Ableger, die Body Shaming betreiben – Frauen herabwürdigen, weil sie nicht die Idealmaße haben, die sich irgendeine Irre oder ein Irrer ausgedacht hat. Das Großartige dabei: Der Film tut dies mit den Mitteln des Hollywoodmärchens, als romantische Komödie der Irrungen und Wirrungen, die auf unverbrauchte, ganz normale Darsteller setzt. Renees Pläydoyer am Schluss endet mit der Aussage „Du bist einzigartig, weil du du bist“. Das ist nicht neu. Aber in Zeiten, in denen junge Frauen in den sozialen Medien eine immer groteskere Selbstoptimierung kommuniziert bekommen, ist das wichtiger denn je. Amy Schumer fetzt dabei durch die Szenerie, als hätte man sie aus einer Kanone geschossen. Und sie setzt neue Maßstäbe: Noch nie hat eine Frau ohne Angelina-Jolie-Körper und Julia-Roberts-Lächeln in einem Film so selbstverständlich glamouröse Frauensachen gemacht. Man hinterfragt das gar nicht, und das ist das große Verdienst des Films. Es ist völlig normal, dass auch Frauen ohne Zahnweißlächeln und Endlosbeine die Hauptrolle in einer klassischen Lovestory spielen – Hollywood muss sich von jetzt an daran messen lassen. Und Heidi Klum auch. vs

Filmbilder

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Vorstellungen

„I Feel Pretty“ läuft aktuell leider nirgends.

I Feel Pretty (Poster)

Regie Abby Kohn, Marc Silverstein

Darsteller Amy Schumer, Michelle Williams, Emily Ratajkowski

Entstehungsjahr 2017

Land USA

Filmstart 10.05.2018

Website http://www.ifeelpretty-film.de

Genres Komödie