Heil

„Kann man sehen“ kulturmovies

Im ostdeutschen Kaff Prittwitz verliert der afrodeutsche Autor Sebastian Klein nach einem Schlag auf den Kopf sein Gedächtnis – und wird von einer lokalen Neonazibande für deren Zwecke instrumentalisiert. Während seine Freundin Nina die Welt nicht mehr versteht, sorgt der „Schwarze“, der öffentlich gegen Ausländer hetzt, für mediales Aufsehen … Angesichts von Massenaufmärschen selbsternannter Patrioten gegen eine angebliche Islamisierung und brennender Flüchtlingsunterkünfte könnte „Heil“ der richtige Film zur richtigen Zeit sein. Doch thematische Aktualität macht noch lange keinen relevanten Film: Mit den wirklich interessanten und unbequemen Aspekten des neuen Rechtsrucks, etwas dem sukzessiven Vordringen fremdenfeindlichen Gedankenguts in die bürgerliche Mitte, hält sich Regisseur Dietrich Brüggemann gar nicht erst auf. Lieber verharrt er in Allgemeinplätzen, die der Zuschauer der Reihe nach abnicken kann, ohne dabei seine Komfortzone jemals verlassen zu müssen: Nazis sind doof (und können – hihi – nicht mal richtig schreiben), in Talkshows wird viel geschwafelt, die Bild-Zeitung biegt sich ihre eigene Wahrheit zurecht. Wer würde da schon widersprechen wollen? Einen Mehrwert oder neue Denkanstöße muss man in Brüggemanns beliebigem und allzu bravem Rundumschlag mit der Lupe suchen – und pointierte Gags auch. (sb)

Heil (Poster)