Hedwig and the Angry Inch

Man muss sich das so vorstellen: ein New Yorker junger Mann hat in seiner Kindheit zuviel „Rocky Horror Show“ gesehen, Joan Collins verehrt und Glam Rock-Platten gehört, bevor er die tunte und den Punk in sich entdeckte. Also schlüfte John Cameron Mitchell in Pumps und Glitterkleid und schuf sein Rockmusical „Hedwig and The Angry Inch“, inzwischen eine Off-Broadway-Legende. Dieses abgedrehte White-Trash-Dramas hat die Verfilmung unbeschadet überlebt. Hansel in der DDR verliebt sich in einen schwarzen GI, unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung um ihm in die USA folgen zu können und tingelt dort, verlassen, verraten und beharrlich als transsexuelle Rock’n’Roll-Blondine auf ihrem Weg nach oben in den Starhimmel. Dieses Material Girl kümmert sich um keine Gender-Debatte, sondern kämpft sich durch die Berliner Mauer und in mörderisch hohen Plateauschuhen und in flittrigen Kostümen durch armselige Konzerte in texanischen Diners. Oder um es mit Hedwig zu singen: „You, Kant, always geht what you want.“ (ascho)