Hasta la Vista

„Muss man sehen“ kulturmovies

Werden Rollstühle und Sabberlätzchen etwa zu den Killerapplikationen des Kinojahres? Nach dem Kassenknüller „Ziemlich beste Freunde“ kommt mit „Hasta la Vista“ erneut eine (tragische) Behindertenkomödie ins Kino, die mit Aplomb das eigentlich Selbstverständliche behauptet: dass Gehandicapte die gleichen Bedürfnisse haben wie du und ich. Die Sehnsüchte der drei flämischen Twens Philip (halsabwärts gelähmt), Jozef (fast blind) und Lars (krebskrank im Rollstuhl) konzentrieren sich ganz auf ihre Entjungferung, und die Kamera zwingt uns gleich zu Beginn den brüstefixierten Blick des Trios auf. In Spanien, haben sie gehört, soll es ein Bordell für Behinderte geben, dorthin wollen die am Leben verzweifelnden und daher verzweifelt nach Leben gierenden Jungs aufbrechen. Doch das geht nur ohne Erlaubnis der gluckenden Eltern und mit einer wortkargen Wuchtbrumme von Fahrerin.

„Hasta la Vista“ ist ein bitterkomisches Roadmovie

Regisseur Geoffrey Enthoven erzählt die Story vom Blinden und den zwei Lahmen als bitterkomisches Roadmovie mit Herz und Schmerz. Doch der leise Witz seines Films beschönigt nicht die Qualen ihres Alltags. Behinderte führen eben doch kein „normales“ Leben, wie es die Political Correctness uns einreden will – sondern eins, das geprägt ist von Frust, Hilflosigkeit und dem zähen Kampf um Würde, Eigensinn und Selbstständigkeit. Dass dieser Kampf die Protagonisten auch beschädigt, sie ungerecht, herrisch und böse machen kann, verschweigt Enthoven nicht – und schafft es doch, uns dieses freakige Trio, dessen Gelüste sich um Sex und Wein drehen, ganz nah ans Herz zu legen. Einer der drei wird nicht mehr nach Hause kommen, ein anderer die Liebe finden und der dritte seinen Hang zur Häme verlieren. Und das alles erzählt Enthoven nicht entlang von Schenkelklopfern wie „Eis am Stiel“ oder „American Pie“, sondern mit dem melancholischen Humor von „Sideways“ – eine feine Leistung. (mw)

Hasta la Vista (Poster)