Hannas Reise

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Eine deutsche BWL-Studentin, die kurz vor dem Examen noch schnell für ein paar Monate ehrenamtlich in einem israelischen Heim für geistig Behinderte arbeitet und dort auf Holocaust-Überlebende trifft – das klingt sehr nach einem deutschen Versöhnungsdrama. Das Überraschende an diesem dramaturgisch fernsehtauglichen und mit schönen Bildern und Menschen gespickten Film: Er zieht genau aus dieser politisch korrekten Betroffenheitsnummer seine bösesten Pointen. Hannas (Karoline Schuch) Menschenliebe entspringt nämlich reiner Karrieregeilheit und dient nur dazu, ihren Lebenslauf mit einem Sozialbonus aufzupimpen: „Juden kommen immer gut. Und behinderte Juden zählen doppelt“. Zynismus kennt man allerdings auch auf israelischer Seite: „Deutsche Mädchen sind leicht rumzukriegen“, weiß Womanizer Itay (Doron Amit) aus Erfahrung. Der Grund: ihr Schuldkomplex. Zum verbalen Schlagabtausch und der unvermeidlichen Lovestory mit Vielleicht-Happy-End packt Regisseurin Julia von Heinz noch ein irritierendes Nazi-Familiengeheimnis dazu. Eine obskure Mischung, die aber unterhaltsam, streckenweise um Ernsthaftigkeit bemüht und sogar berührend ist. (ascho)

Hannas Reise (Poster)