Große Freiheit

„Muss man sehen“ kulturmovies

Große Freiheit | Kritik

Hans (ungemein charismatisch: Franz Rogowski) landet wegen seines Schwulseins gleich mehrfach hinter Gittern ­und trifft dort immer wieder auf den wegen Mordes verurteilen Victor (Georg Friedrich).

Sebastian Meises mit großer Ruhe inszeniertes Drama – Österreichs Kandidat für den Oscar – erzählt auf drei ineinander verschachtelten Zeitebenen von den Folgen der Kriminalisierung schwuler Liebe im repressiven Nachkriegsdeutschland. Nach der Kapitulation werden in der Schneiderwerkstatt Uniformen recycelt, 25 Jahre später wird rosa Bettwäsche genäht. Ansonsten aber scheint die Zeit im Gefängnis stillzustehen: die Anstaltskleidung, die entwürdigende Behandlung und die Strafen haben sich ebenso wenig geändert, wie die Verachtung der Häftlinge und Wärter für jene Inhaftierten, die nach §175 wegen homosexueller Handlungen verurteilt wurden.

Wie sich zwischen Hans und Victor über die lange Zeit allein durch Blicke, Geste und Körperlichkeit aus anfänglicher Verachtung eine zwischen Solidarität, Verantwortung und bedrückender Intimität oszillierende Männerfreundschaft entwickelt, ist eine beeindruckende Charakterstudie und große schauspielerische Leistung. Die Entscheidung des Regisseurs, die Lebensgeschichten der Protagonisten bis auf wenige, sehr kurze Rückblenden allein auf das Knastleben zu fokussieren, ist mutig. Doch Sebastian Meise hat für die Tristesse, Monotonie und Kälte des Gefängnissystems überzeugende und intensive Bilder gefunden, die tatsächlich die große Leinwand brauchen, um ihre Wirkung voll zu können. ascho

Große Freiheit | Fotos

Große Freiheit | Besetzung

Große Freiheit (Poster)

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