Goodbye Bafana

„Sollte man sehen“ kulturmovies

Wer sein Wissen über die südafrikanische Apartheidsgeschichte auffrischen möchte, ist hier falsch. Die Inszenierung der drastischen Schikanierungen von Gefängnisinsassen sowie das punktuell eingestreute dokumentarische Material entsprechen höchstens dem Niveau abgespeckter Analysen im History Channel. Bille August konzentriert sich lieber auf eine zwischenmenschliche Begegnung: Der Weiße James Gregory (Joseph Fiennes) bewachte der zwanzig Jahre lang Nelson Mandela (Dennis Haysbert) im Gefängnis. Diesen Zeitraum in 117 Filmminuten zwängen zu müssen, bedurfte zwangsläufig vielen Verkürzungen. Das betrifft nicht nur den Blick auf die politische Komplexität dieser Zeit, sondern auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Gregory und Mandela.

Mandela ist auratisch und unnahbar

Gregory macht durch die Begegnung mit seinem Gefangenen eine Wandlung vom überzeugten Rassisten zum veränderten Menschen durch, der Freiheit und Gerechtigkeit verteidigt – doch sein Weg dahin ist nicht nachvollziehbar. Die Figuren sind in ihren Rollen gefangen, so wie die Kamera immer wieder die gleichen Perspektiven einnimmt. Mandela ist auratisch und unnahbar – was Haysbert wenig Möglichkeiten für eine persönlich gefärbte Darstellung gibt – und seinem naiven Bewacher in seiner Eloquenz und Ruhe stets überlegen. Zwar ist es eine filmisch folgerichtige Entwicklung, dass Gregory am Ende eine Art mentaler Befreiung durch seinen Gefangenen erfährt – doch bleiben zu viele Facetten auf der Strecke, um sich ein detailliertes Bild von den Menschen als auch von der Politik zu machen. (mt)

Goodbye Bafana (Poster)