Good Vibrations

„Sollte man sehen“ kulturmovies

„Are teenage kicks so hard to beat?“, fragten die Undertones 1978. Ein Satz, den sich nicht nur der legendäre Radio-DJ John Peel auf seinen Grabstein meißeln ließ, sondern der auch den Durchbruch markierte für den Nordirland-Punk. „Good Vibrations“ erzählt die Geschichte des Plattenladenbesitzers und Labelgründers Terri Hooley (Richard Dormer), der den Punkrock nach Belfast holte, um den blutigen Folgen des schwelenden Nordirlandkonflikts mit ungebremstem Drei-Akkord-Eskapismus zu kontern. Der Film rückt zunächst alles ins Bild und legt alles auf die Tonspur, was es fortan zu demontieren gilt: spießige Vorgartenidylle samt wohlgepflegter Rosenbüsche, Hank-Williams-Musik, schließlich auch sinnentleerte Fehden, manifestiert in ebenso sinnentleerten Straßenschlachten. Der Film atmet den Zeitgeist aus jeder Pore, besticht durch ein pointiertes Drehbuch und seinen spielfreudigen Hauptdarsteller. Doch ist er auch konventioneller geraten, als man es diesem Kapitel musikalischer Gegenkultur gewünscht hätte. Konservative Drei-Akt-Struktur mit dramaturgisch vorhersehbaren Höhen und Tiefen, der obligatorische Fall des Protagonisten und sein allzu pathetisches Wiederauferstehen aus Freundentränen, Männerschweiß und Gitarrenlärm – da verkommt die Revolte dann zur hohlen Geste. (sb)