Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra

„Muss man sehen“ kulturmovies

Auf Basis eines dokumentarischen Bestsellerromans erzählt uns Regisseur Matteo Garrone fünf verwobene Geschichten um die neapolitanische Mafia: Ein Camorra-Buchhalter, der den Familien der Täter Gehalt und Rente auszahlt, will nicht mehr und darf doch nicht aufhören; ein 13-Jähriger gerät in eine Clanfehde und begeht am Ende einen Verrat, der ihn für immer an die Camorra ketten wird; ein junger Akademiker bekommt einen Job als Giftmüllmanager, der sein Weltbild zerstört; ein Schneider lässt sich heimlich mit chinesischen Wettbewerbern der Mafia ein; zwei „Scarface“-Fans wollen Killerkarriere machen und merken nicht, dass man sie für lästige Fliegen hält und die Klatsche schon gezückt hat. Garrones Kamera steckt ihre Nase tief in den Dreck eines unfassbaren Milieus aus Gewalt und Tod, sie schaut umher wie ein zufälliger Besucher, sie hebt nie den Blick. Ihre Bilder haben kaum Tiefenschärfe, die Hintergründe verschwimmen genauso wie die verästelten Strukturen der Welt der Camorra. „Gomorrha“ thematisiert außer der Gewalt keine elementaren Triebe und Bedürfnisse. Es gibt keine Liebe, keine Zärtlichkeit, niemand isst oder trinkt. Man tötet, man flieht, man versteckt sich, man stirbt. Kein Ausweg, nirgends; alle sind gefangen in einem Spinnennetz, doch wo und wer ist die Spinne? Darauf gibt dieser bedrückende Film keine Antwort. Wenn er eine Botschaft hat, dann diese: Dem Fluch, im Land der Camorra geboren zu sein, entkommt man nicht. Niemals. (mw)

Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra (Poster)