Goethe!

„Muss man sehen“ kulturmovies

1771: Goethe senior ist nicht begeistert von den dichterischen Ambitionen seines Sohnes Johann. Er schickt ihn als Praktikanten ans Reichskammergericht nach Wetzlar, wo sich Goethe in die junge Lotte (Miriam Stein) verliebt, die bereits seinem Vorgesetztem Kestner (Moritz Bleibtreu) versprochen ist. Goethe leidet – und schreibt den „Werther“ … Diese Episode aus der Jugend des Dichterfürsten beruht auf Tatsachen, die Regisseur Phillip Stölzl („Nordwand“) wohldosiert mit (sic!) dichterischer Freiheit dramatisiert hat. Goethe reitet durch saftige oder schneebestäubte Landschaften, watet durch den knöcheltiefen Matsch der Städte, angetrieben von Leidenschaft und Lust, zurückgehalten von Zweifeln und Zwängen. Der beeindruckende Fehling spielt ihn nicht als sensiblen Feingeist oder modernisierten Macker, sondern als charmanten, von der großen Liebe fortgerissenen Jüngling. Auch Bleibtreu, oft zu laut, gefällt mit leisem, sensiblem Spiel. „Goethe“ läuft keinem Trend nach, verachtet Klischees, liebt Witz und Geist und folgt dem untrüglichen Instinkt, wie man einen guten Film erzählt. Er hat, was deutschen Filmen so oft abgeht: eine Seele. (vs)

Goethe! (Poster)